Brief an Dich


Wer mich kennt, weiß wie sehr ich es LIEBE Briefe zu schreiben, mich künstlerisch zu verewigen in irgendwelchen Alben. Noch mehr liebe ich es aber, Briefe zu bekommen und sie immer und immer wieder zu lesen.

Hast du schon einmal einen Brief geschrieben? 

Hast du jemals einen Brief an Gott geschrieben?


Was würdest du da reinschreiben? Würdest du ihm Fragen stellen, über den Sinn der Welt? Oder würdest du ihn fragen, was das alles soll, was in deinem Leben passiert, würdest du ihn anklagen?

 

Eine Freundin (E.) hat ein Brief an Gott geschrieben.

Und er hat mich bewegt. Er hat hat mich so unglaublich fasziniert. Er hat mich so sehr bewegt, dass ich mich jetzt hinsetze und diesen Eintrag verfasse.

 

Es hat mich nicht fasziniert, weil E. die eigentlich nicht so auf Gott steht ihm plötzlich einen Brief schreibt, sondern wegen ihrer Ehrlichkeit.

 

Sie beginnt nicht mit, oh wie froh bin, dass.... 

Nein sie beginnt mit: „Lieber Gott, ich hoffe, du bekommst diesen Brief überhaupt und ich bete zu dir: Kannst es hier unten besser machen…“

Und dann zählt sie alles auf, was sie an Gott stört; alles, was sie an ihm zweifeln lässt: Den weltweiten Hunger, die vielen Tränen und die Kriege auf der Welt, das Leid, der Tot von Freunden, der Tot ihrer Eltern ihrer kleinen Schwester die sie direkt nach der Geburt verloren hat...

(Sie sitzt mit ihren 22 Jahren alleine ohne Eltern, ohne Geschwister bei ihrer Adoptivfamilie auf ihrem Bett und schreibt diesen Brief.)

Schließlich kommt sie zu dem Fazit:

„Lieber Gott, ich kann nicht an dich glauben!“

 

Sie rief mich an und erzählte mir von diesem Brief.

Und ich konnte sie komplett verstehen. Was mir aber noch viel mehr durch den Kopf ging waren folgenden Dinge!

 

1. Ich kann sie komplett verstehen. Wer nur ein bisschen mit offenen Augen durch die Welt geht, muss an dem Lieben Gott zweifeln.

 

2. Wieso erzählt sie mir davon, liest mir den Brief vor, wenn sie gar nicht an diesen Gott glauben kann oder will.

 

3. Ich wünschte mir in dieser Situation so sehr, ich könnte ihre Worte entkräften und ihr Mut für Gott machen, aber ich kann es nicht. Ich bin sprachlos. Was sie alles durchgemacht hat, lässt selbst mich zweifeln.

 

Aber, warum? Glaube ich weiterhin  an ihn?

Obwohl ich meine Freundin so gut verstehen kann. 

Warum kann ich glauben, und sie nicht? 

Ich vermute, das liegt daran, dass ich schon einiges mit Gott erlebt habe. Sehr viele Tiefen aber auch einiges was mich überzeugend glauben lässt.

 


Wenn wir in die Bibel schauen geht es nicht nur ihr so, sondern auch David. 

 „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne. Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch ich finde keine Ruhe.“ (Psalm 22,1-3:)

Genau wie E. hat David Zweifel. Große Zweifel. Er betet zu Gott, aber bekommt keine Antwort. Doch statt wie sie das Fazit zu ziehen: „Dich gibt es nicht, Gott“, sagt David: „Du aber bist heilig.“

 

Aber warum reagierte David so: Ganz einfach: er hatte schon Erfahrung mit Gott gemacht. David hatte Gottes Eingreifen und seine Nähe schon oft erlebt und er wusste, wie Gott das Volk Israel immer wieder geführt und beschützt hatte. Deswegen war er überzeugt: Gott gibt es und er meint es gut mit mir. Diese Überzeugung konnte ihm niemand nehmen.

 

Auch ich kann nur deshalb glauben, weil ich in allem Leid, was ich selbst erleben musste oder bei anderen beobachte, immer wieder Gottes Gegenwart, sein Eingreifen und sein Mitleiden erlebt habe. 

 

Jesus ist hier wohl das Beste Beispiel. Er lebte und starb wie ein Mensch. In allem wurde er uns gleich und fühlte Leid, Folter und gewaltsamen Tod am eigenen Körper. Als er am Kreuz von all seinen Freunden verlassen war, betete er diesen Psalm Davids: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Wenn ich für mich die Frage nach dem Leid beantworten will, komme ich um Jesus nicht herum. Den Jesus, der zu seinen Jüngern einmal sagte: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Johannes 16,33).

Das Leid lässt sich nicht wegdiskutieren − genauso wenig wie manche Zweifel und Krisen. Aber Gott verspricht uns: Leid, Kummer, Not und Tränen werden ein Ende haben.

 

Sei ehrlich, auch zu Gott!

Und vergiss nie, er ist nur ein Gebet entfernt.


Übrigens meine Liebe Freundin E. hat sich letztes Jahr im Oktober taufen lassen und ihr Leben komplett Jesus gegeben. 
Sie nimmt & sieht endlich die Dinge anders an

und kann das positive in schlechten Dingen sehen.

 

Klar ist sie immer noch sehr traurig und enttäuscht von Gott,

dass ihre Eltern und ihrer kleine Schwester nicht mehr hier sind ...

aber auch darüber kann sie nun anders sprechen als vor einem Jahr.

Ein Jahr Kampf - AM ENDE EIN SIEGER!

E. Tauflied