Stille


Vor über zwei Jahren ist mein Surfer Traum, den ich im Urlaub kennen und lieben gelernt habe ums Leben gekommen... Genau ein Jahr später, fährt sein bester Freund, der ebenfalls im Urlaub dabei war gegen einen Baum und liegt im Koma. 

War es Absicht? Oder ist er wie viele Urlauber in Schweden über die Strasse geheizt und hat dann die Kontrolle verloren?

 

Als ich mit jemanden drüber gesprochen habe, bekam ich folgende Antwort: "Wenn man sich umbringen will, dann schafft man das auch. Wer nicht mehr leben will aus Schmerz - etwas nicht verarbeiten zu können - den kann man nicht aufhalten. Merk dir das"

 

Ich merkte mir diesen Satz. Ich wirbelte weiter durch mein Leben.

Neue Freunde, Neue Arbeitsstelle, neues Leben. Alles schien Perfekt.

Familienzeit, Freundeszeit, neue Arbeit, neue Kinder, neue Kollegen. 

Treffen mit T´s. Familie nach über einem Jahr. Treffen mit L. & seiner Familie: lachen, weinen, noch mehr lachen und ganz viel Essen sag ich euch!

 

Wie geht es L. nach seinem Unfall?

"Ganz gut, hab Schmerzen an den Rippen, aber das wird Süße".

Keine 10 Minuten später die Wendung - er rastet wieder komplett aus. 

"Ich will dich nicht sehen. Du erinnerst mich zu sehr an T. Hau ab. Ich brauch deine Hilfe nicht!"

 

... In Ordnung, wollte doch nur helfen. Ist ja gut!

Aber in dem Moment wollte ich nicht helfen, ich wollte einfach Zeit mit den beiden Familien verbringen.

Immer wieder telefonierte ich mit L. oder T´s. Schwester. Sie war echt süß. Ich lieb sie sehr.

Sie ist echt eine Kämpfernatur. Dass sie das alles so gut wegsteckt - Hut ab!


3 Monate nach dem letzten Treffen und nach unzähligen Skype und Telefonabende rief T´s. Schwester an. "Hey Jessi. Wollte dir nur Bescheid geben, dass L. endlich das erreicht hat, was er sich seit langem wünscht."

Ich voll gefreut (L. ist Lehrer): "Jaaaa! Ist er an der Schule angenommen worden?  Hat er endlich die Zusage bekommen, wo er die ganze Zeit drauf gewartet hat?"

... Stille am anderen Ende des Hörers ... *Schluchzen*

"Nein Jessi. Er ist bei T. angekommen. Er hat sich das Leben genommen. Seine Eltern haben ihn in seinem Zimmer mit einer Überdosis ins Krankenhaus gebracht. Es war zu spät."



Und dann liege ich wieder da: weine, schreie und klage alle an. Komme überhaupt nicht damit klar.

Ich verstehe ihn ... ich verstehe ihn komplett nicht.... Ich verstehe ihn irgendwie schon.

Er erzählte oft davon - er war in Behandlung.

Es fühlt sich an, als würde der Boden unter den Füßen ständig beben.

Er hatte Angst davor, ins Auto zu steigen.

Er hatte Angst davor die Strecke zu fahren wo sein bester Freund seit Windeltagen ums Leben gekommen ist. Er hatte Angst davor, einkaufen zu gehen.

Die kleinsten Dinge wurden zur "Folter".

"Ich habe geglaubt, dass ich immer und jedem im Weg bin und alle Menschen störe.

Ich kann doch nicht immer jedem mit diesem Fck*** Problem belasten. 

Jeder Tag ist meine persönliche Hölle."

 

Stille

Es muss fürchterlich sein, wenn man keinen Ausweg mehr sieht. 

"Wer sich das Leben nehmen will, der schafft es auch!"

Nach einigen Versuchen hat es dann geklappt. L. ist wieder bei T. Sie sind wieder ein Team!

 

Und für mich? Geht´s WEITER!

Ich muss ehrlich sagen, ich bin schockiert, ich bin am Ende, ich hasse L. dafür, dass er diesen Schritt getan hat.

Aber: ICH BIN FREI! Ich fühle mich Frei!

Das erste mal seit dem Unfall von T.

Ich muss mich nicht mehr um L. kümmern - das hört sich jetzt vielleicht komisch an, aber es war echt eine sehr große Belastung auch für mich. 
Jetzt kann ich meine eigene Zukunft sehen & neue Schritte wagen, neue Dinge angehen und ganz gelassen die Welt erkunden.

 

Was durfte ich lernen?

Stell dich deinen Verletzungen!

Jeder von uns wurde schon verletzt. Unser Leben ist voller Wunden und Narben.

Das ist etwas, was wir uns nur ungern eingestehen. Doch wenn wir heil werden wollen, dürfen wir den Blick von unseren Wunden nicht verschließen.

Leichter gesagt als getan ! Unsere Verletzungen prägen unser Leben. Sie prägen unser Denken über uns selbst und über andere. Manche dieser Wunden liegen schon lange zurück und wir glauben, sie sind längst verheilt?

Falsch gedacht - wir haben einfach nur ein Pflaster draufgeklebt und sie danach nicht mehr angeschaut. Doch unter dem Pflaster hat sich Eiter gebildet. 

Trauer, Selbsthass und Verbitterung können die Folge sein. Um wirklich zu heilen, müssen wir das Pflaster abziehen und unserer Wunden anschauen, sie wirklich behandeln lassen - von Jesus!

Dafür müssen wir unserer Verletzungen ans Licht bringen - und allein dieser Schritt ist verdammt schmerzhaft. Und ich weiß, dass es sehr schmerzhaft sein kann!

 

Gott will uns mit Liebe begegnen, wo wir mit Füßen getreten werden und nicht mehr aufstehen können.

Aber das ist nur möglich, wenn wir ihn lassen, wenn wir vor ihm offen legen an welchen Stellen wir verletzt wurden. 

 

Andere Wunden sind zu Narben geworden. Die Wunde selbst ist zwar verheilt, aber da ist eine "Hässliche" Narbe geworden. Damit müssen wir umgehen lernen. Solange wir nicht akzeptieren, dass diese Narbe nun zu uns gehört, werden wir immer unzufrieden bleiben.

Geb dein BESTES deine Narben und Wunden verarzten zu lassen.

Die Besten Seelsorger sind Herzensfreunde die wissen wie es dir geht, ohne dich gesehen zu haben.


Verdränge deine Gefühle nicht!

Das ist nicht gesund. Ich sollte meine Emotionen nicht in mir lassen. Sie müssen raus!

Nicht zu klagen macht krank.

Ich muss mir die Dinge von der Seele reden, damit ich gesund bleibe oder gesund werde.

 

"Trauern ist besser als Lachen; denn durch Trauern wird das Herz gebessert" (Prediger 7,3)

 

"Es ist nicht gut, wenn man alles in sich hineinfrisst."

... aber ich will doch niemanden mit meinen Problemen belasten. Mich versteht doch eh niemand. Und außerdem sagen doch alle, hör auf zu Jammern. Stell dich nicht so an!

 

 

FAZIT:

  • Ich muss die Dinge die ich nicht alleine tragen kann, mit jemandem teilen.  Wir gehen zusammen durch das Leid, denn "Zwei sind allemal besser dran als einer allein" (Prediger 4,9)
  • Wir können uns einander helfen. Sich alleine durchzukämpfen, schafft keiner! Wie schlimm ist es, wenn man alleine ist und niemand für einen da ist! (Vgl. Prediger 4,10)
  • Freut euch mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden. (Römer 12,15)

Irgendwann kommt der Tag, an dem Gott eingreift! Ich weiß nicht wann, ich weiß nicht wie oder wo.

Aber eine Sache weiß ich: Gott hat einen Plan für MEIN LEBEN!


Passend dazu habe ich einen Poetryslam verfasst


Merk dir eine Sache:

Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.

Meist sind die Lichter Menschen, Worte oder eine Umarmung.

Man muss die Lichter nur erkennen!

Sei auch du ein Licht für andere

Aber pass selbst auf Dich auf!

und mach dich nicht selbst kaputt,

mit den Problemen der anderen.