Unperfekt, PERFEKT


"Wer ist schon perfekt? Es gibt keinen Supermann der einfach alles kann.

Wenn alle hier perfekt wären, wer wäre dann am schönsten?

Nicht jeder Elefant hat Zähne, nicht jede Schnecke hat ein haus...

Auch der weltbeste Torwart, erlaubt sich mal nen Patzer,

und mein buntes Lieblings Glas hat einen schönen Kratzer..."


Das Lied trifft es auf den Kopf!

Viele meiner Freundinnen wirbel gerade durch dieses Thema: Perfektionismus.

Und glaubt mir, manchmal ertappe ich mich selbst dabei, in dieses Loch zu rutschen zum Beispiel, wenn es ums zeichnen geht, oder Brieflettering... 

Ich könnte durchdrehen, wenn eine der Linien einfach länger ist als die anderen.

 

Und... ich sitze seit einer gefühlten Ewigkeit an diesem Eintrag.

Irgendwie stimmt das alles nicht. Ich muss alles nochmals ändern.

Schließlich geht es um das Thema: Perfektionismus - also sollte wenigstens der Artikel ... ganz ohne Fehler, und PERFEKT sein.

Ich habe schon x- mal die Abstände bearbeitet, die Größe verändert, Punkte, Kommas, Rechtschreibung und andere Zeichen neu gemacht.

Ich habe komisch klingende Wörter durch Synonyme ersetzt... sorry durch Wörter die den selben Sinn/ aus der Selben Wort Verwandschaft kommen.

Aber zufrieden? Nein bin ich eigentlich immer noch nicht.

 

Irgendwie kommt es mir gerade so vor, als ob dieser Perfektionismus gerade voll im Trend ist.

Aber wisst ihr was ich komisch finde. Diese Art Schwäche geben wir im Gegensatz zu anderen Schwächen sehr gerne zu:

"Ja doch, ich bin da halt ein bisschen perfektionistisch".

Denn, es klingt ja eher positiv als negativ: Ich bin ordentlich, ich kann was, ich bin fleißig und absolut 100 % zuverlässig.

Und mit meiner Selbstkritik kann ich im selben Atemzug auch noch meine Demut beweisen.

 

Während meiner Ausbildung zur Erzieherin, hatten wir es ebenfalls mit diesem Thema zu tun. Hierzu fällt mir folgender Satz ein:

 

"Ein Perfektionist fühlt sich in seinem eigenen Inneren unwohl, hat eine tiefsitzende Angst vor Ablehnung und macht sich und anderen mit seiner Verbissenheit das Leben schwer. Er bangt um seine Existenz, wenn er nicht dauerhaft 100%/ Vollgas gibt.

Sollte das einmal nicht der Fall sein, fällt er sofort in das Loch der Schuldgefühle."

 

*schluck* Bitte was? Was ist denn so schlimm daran, Dinge perfekt zu machen?

Grundsätzlich ist das überhaupt nicht schlimm. Denn der Wunsch nach Perfektion steckt in jedem von uns....

Ein Koch z.B. aus einem 5 Sterne Restaurant, sollte immer alles Perfekt machen, damit keine Beschwerde kommt.

Dem anderen ist ein super blitz blank sauberes Auto wichtig.

Der dritte vernachlässigt beides, weil es ihm viel wichtiger ist, sich täglich perfekt in Schale zu werfen, sich super anzuziehen, und den Lidstrich perfekt zu ziehen.

 

Alle 3 streben in ihrer Weiße nach Vollkommenheit. Und das aus gutem Grund.

Denn diese Vollkommenheit ist Überirdisch, sie hat sogar etwas göttliches an sich.

Vollkommenheit vor Augen zu haben motiviert uns zu hoher Leistung.

Somit sollte Perfektion ein sinnvolles und schönes Ziel sein?

 

Aber...

Perfektionisten vergessen bei der ganzen Sache eins:

Völlige Perfektion ist in vielen Lebensbereichen weder notwendig noch gefragt.

Zwar kann es als Ansporn dienen, um nach höherem zu streben, aber wenn das perfekte Ergebnis zu einem "Muss" wird, ist nichts mehr gut genug.


- Die Wohnung ist unordentlich, weil es noch ein einigen Stellen etwas wegzuräumen gibt

- Die kunstvoll dekorierte Torte ist missraten, weil ein Schokoblättchen umgekippt ist

- Dieser Eintrag hier ist unzumutbar, weil er hier und da noch detaillierte hätte sein können.

 

 

Was treibt einen Perfektionisten an?

Ich habe lange mit Freunden darüber geredet und bin auf folgendes Ergebnis gekommen:

Der Hauptantrieb solcher Menschen ist es nicht Perfekt zu sein.

Es geht vielmehr darum, unangreifbar

von Kritik zu sein. Denn wenn alles perfekt ist, hat niemand einen Grund ihn abzulehnen, oder ihn fertig zu machen.

Diese Menschen haben panische Angst vor Fehltritten, davor Dinge falsch zu machen und einem bestimmten Anspruch nicht zu genügen.


 

Diese Ansprüche können auch komplett unterschiedlich ausfallen:


- der Zwang superdünn zu sein

- Die Angst sich lächerlich zu machen

- eine "staubige" Wohnung ist für meine "Freunde" nicht zumutbar

 

Diese Ansprüche führen am Ende immer auf eine Sache heraus: DRUCK


Die Person hat immer und überall seine mögliche Ablehnung vor Augen.

Er muss sich furchtbar anstrengen um dem "Schicksal" nicht näher zu kommen

"Für meine letzten Beiträge habe ich nur gutes Feedback bekommen, was ist, wenn der hier nicht gut für sie ist. Was wenn niemand etwas damit anfangen kann. Sie werden mich alle für eine komische Ladie halten die das Lob eigentlich gar nicht verdient hat."

 

Solche Gedanken ... Tunnelblick - knock out!

Anstatt mit guten Ideen voran zu gehen, knockt es mich aus, die Angst hält einen ab weiter zu machen.

Mir geht es oft so, dass ich meine Sätze lese - und je öfter ich sie lese, desto mehr stolpere ich drüber und denke sie sind falsch...

Je mehr ich drüber nachdenke, desto mehr will ich dass dieser Eintrag noch viel besser wird als die zuvor. Ich schraube also meine eigenen Ansprüche viel höher als ich es eigentlich kann.

 

Und du?

Wie geht es dir mit dem Thema? Kennst du solche Gefühle?

Ich habe das Glück nicht in diesem Loch fest zu hängen - meine Beispiele oben sind zwar real...

klar will man gute Texte verfassen aber hey: ich weiß wie viele Menschen das immer lesen & teilen.

Ich kann mit gutem Gewissen sagen:

GOTT gebraucht mich  - egal wie oberflächlich oder tiefgründig meine Texte sind.

 

Gott...

genau!

Ein Perfektionist fühlt sich selbst vor Gott oft in der Versagerrolle.

Theoretisch weiß er: 

Gott liebt mich bedingungslos - und alle anderen auch.

Aber hat diese Bedingungslose Liebe nicht auch eine Grenze? Eine Grenze, die man selbst schon lange überschritten hat.


... Es gibt hier keine Grenze! Und es ist egal, Menschen die so denken werden selbst in der Bibel die Verse nicht ernst nehmen.


"Ich habe dich je und je geliebt" (Jeremia 31,3)

" Die Liebe Gottes ist ausgegoggsen in unserer Herzen" (Römer 5,5)


All das gilt: aber Perfektionisten sehen dies nicht, da sie sich nicht für liebenswert halten.

 

Statt Ängste zu lösen, baut die Beziehung zu Gott noch mehr Ängste auf.

"Jetzt, muss ich mir vor den Menschen und Gott beweißen"

So versucht er vor den Menschen und Gott gerecht zu werden.

Ein Perfektionist ist immer unterwegs - er sucht einen Weg ...

er ist orientierungs- und hoffnungslos, weil er an seinen Fehlern verzweifelt.

 

GOTT erwartet KEINE Vollkommenheit.

Wir Menschen sind EINZIGARTIG, gerade weil wir nicht perfekt sind.

Perfektion zu erreichen ist für uns weder möglich noch entspricht es unserer Bestimmung.

Selbst in der Bibel ziehen sich Schwächen der Menschen durch.

- Mose führt ein Volk aus Ägypten und gleichzeitig hat er Angst vor dem Pharao zu sprechen

- Gideon sollte für Gottes Volk kämpfen, aber er fühlte sich zu jung

- Petrus, hat Jesus vor lauter Angst im Stich gelassen.

 

Aber GOTT wusste es schon: WIR MENSCHEN WERDEN NIE PERFEKT SEIN.

Deshalb hat er Jesus geschickt. Er ist gekommen um unsere Fehler und Schwachheit auf sich zu nehmen.

"Er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. (Jesaja 53,4)

 

Durch Jesus muss ich mich nicht mehr abrackern, um perfekt zu sein.

Ich kann meine Sorgen und Lasten abgeben, ohne Angst zu haben was er denkt.


Jeder sieht anders aus, doch wir alle sind uns ähnlich.

Niemand ist so perfekt gebaut wie ne Schaufensterpuppe...

Sag mir wer ist schon perfekt,

bei wem ist kein Fehler versteckt,

Du weißt, dass es die kleinen Macken sind

die ich bei dir am schönsten find.